Der Moment der Trauung ist gekommen und alle Hochzeitsgäste blicken gespannt auf das Brautpaar. Das Lieblingslied der Braut erklingt, die Brautmutter weint und alle freuen sich über das Glück, diesen Augenblick mit den beiden Verliebten teilen zu dürfen. Aber dann gibt es diesen einen Moment der Irritation: An welche Hand steckt man nun den Trauring?

Diese Szene ist gar nicht so unüblich und beruht nicht nur auf der Tatsache, dass sich Braut und Bräutigam in der Zeremonie spiegelverkehrt gegenüberstehen. Die Frage, an welche Hand ein Ehering gehört, wird in verschiedenen Regionen, aber auch je nach Religion unterschiedlich beantwortet. Im folgenden Text haben wir die wichtigsten Fakten über das Tragen des Traurings für Euch zusammengefasst.

So trägt man seinen Trauring in Deutschland

Den Trauring tragen Verheiratete in Deutschland traditionell am Ringfinger der rechten Hand. Somit unterscheidet man ihn vom Verlobungsring, den deutsche Paare gewöhnlich am linken Ringfinger tragen. Doch diese Sitte ist keine Pflicht, sie kann je nach individuellem Glauben oder persönlichem Geschmack abweichen. Dabei kann es auch eine Rolle spielen, ob sich das Paar entscheidet, seine Verlobungsringe weiterhin zu tragen. Wurden diese an der linken Hand getragen, so bleibt für das neue Schmuckstück, das jeder wahrnehmen soll, nur die andere Seite übrig.

Warum die rechte Hand?

Die Tradition, seinen Trauring an der rechten Hand zu tragen, reicht in Deutschland bis ins 9. Jahrhundert zurück. Damals wanderte der Ehering von der linken an die rechte Hand, um sich dem Brauch der Geistlichen anzupassen. Diese trugen während der katholischen Zeremonie ihren Ring stets an der rechten Hand. Dem Glauben nach stellt diese Seite eine Verbindung zwischen der Kirche und Jesus Christus dar (siehe auch: Trauringe in der katholischen Kirche).

Offiziell eingeführt wurde der Ehering erst im 13. Jahrhundert. Das Schmuckstück sollte nicht wie heute nur als Liebessymbol dienen, sondern auch eine Verpflichtung zur Treue sein. An der rechten Hand fiel ein Ring mehr auf als an der linken, da diese gewöhnlich zur Verrichtung der Arbeiten diente. Deshalb liegt eine mögliche Erklärung für unsere heutige Tradition in der Überzeugung der katholischen Kirche, Rechtshänder wären mit einem Ring treuer als ohne. Nun könnt Ihr spekulieren, wie es um die Treue eines rechts-tragenden Linkshänders bestellt sein musste.

Eine weitere These besagt, dass man den rechten Ringfinger wählte, da mit dieser Hand gewöhnlich alle offiziellen Dokumente unterschrieben werden. Folglich sollte auch ein Ehe-Vertrag mit rechts abgeschlossen werden. Egal, welcher Begründung man mehr Glauben schenken mag, sicher ist, dass sich das Tragen eines Traurings längst als Symbol für unendliche Liebe durchgesetzt hat. Aber nicht überall trägt man dieses Zeichen an der rechten Hand.

Andere Länder – andere Sitten: auch bei der richtigen Hand für den Trauring

Folgende Regel kann Euch als Merksatz dienen, um die Sitten unterschiedlicher Länder zu verstehen: Je weiter man in den Norden kommt, umso wahrscheinlicher tragen die Menschen ihre Eheringe an der rechten Hand. Neben Deutschland ist dieser Brauch auch in einigen anderen europäischen Nachbarländern üblich.

Die südeuropäischen und die englisch-sprachigen Länder gehen dagegen den umgekehrten Weg: Hier wird der Trauring traditionell am Ringfinger der linken Hand getragen – und das, obwohl diese Länder teilweise katholisch sind. Daraus lässt sich schließen, dass die Religion einen gewissen Einfluss auf diese Tradition hatte, heute aber hauptsächlich die kulturelle Identität bestimmt, ob ein Paar sich für die eine oder die andere Hand entscheidet.Paar Hände Eheringe

Österreich

Unsere südlichen Nachbarn pflegen wie wir die Tradition, den Trauring am Ringfinger der rechten Hand zu tragen. In der Verlobungszeit bekennen sich die Österreicher ebenso wie wir zu ihrem Partner, indem sie das Symbol ewiger Liebe an die linke Hand stecken.

Polen

In diesem östlichen Nachbarland tragen Verheiratete ihre Ringe ebenfalls an der rechten Hand – allerdings tun das die Polen bereits ab der Verlobung. Eheleute sind also schwieriger als in Deutschland von Verlobten zu unterscheiden.

Holland

Auch mit unseren niederländischen Nachbarn haben wir einiges gemeinsam: Mittlerweile ist es auch dort üblich, seinen Trauring rechts zu tragen. Unterschiede gibt es dennoch: Meist gilt dieser Brauch nicht für Katholiken, was außergewöhnlich ist (siehe auch: Trauringe in der katholischen Kirche). Es kommt hinzu, dass die Holländer häufig nur einen Ring für Verlobung und Ehe haben, der bei der Trauung lediglich die Hand wechselt.

Großbritannien und USA

Briten und US-Amerikaner zeigen mit einem Ehering an der linken Hand, dass sie sich die ewige Treue versprochen haben. Von der Insel kommt auch die Tradition des sogenannten "Vorsteckrings": Genauso wie in den USA wird ein solcher während der Verlobung getragen, um am Hochzeitstag zu einem Gesamtkunstwerk ergänzt zu werden. Den Verlobungsring trägt man im Gegensatz zu den USA in England jedoch rechts.

Spanien

Auch das katholische Spanien hat sich in Sachen Ehering für die linke Hand entschieden. Aber es gibt auch Ausnahmen: die Katalanen gehen z.B. ihren eigenen Weg und tragen gewöhnlich eher rechts ihre Trauringe.

Italien

Im Land der Liebe ist es ebenfalls Sitte, seinen Ehering links zu tragen. Italiener stecken bei der Verlobung ihrer Angebeteten einen Ring auf den rechten Ringfinger, am Tag der Trauung wechselt er einfach die Hand.

Türkei

In der Türkei ist die Entscheidung, an welcher Hand ein Trauring getragen wird, ähnlich kompliziert wie bei uns: Traditionell tragen viele Türken den Ehering links, allerdings ist im muslimischen Glauben eher die rechte Hand üblich (siehe Trauringe im islamischen Glauben).
Ehepaar trägt Ringe an linker Hand

Warum die linke Hand?

Das Tragen des Eherings an der linken Hand hat eine noch ältere Tradition als die der rechten Hand: Sie geht auf die Römer zurück, welche meinten, dass durch den linken Ringfinger die Vena Amoris (Liebesader) direkt zum Herzen führt. Deshalb trugen sie den "fede" (einen Treuering) an eben diesem Finger. Ein ähnlicher Glaube ist von den Ägyptern und alten Griechen überliefert. Die Christen übernahmen die Vorstellung des "Herzensfingers" also aus der Kultur der Antike.

Und es gibt noch eine weitere Begründung für die linke Hand als Ring-Trägerin: Weissagungen über die Zukunft eines Menschen werden auch heute noch anhand der linken Hand gemacht. Sie gilt als Glücks- oder Erbhand. Somit ist gut nachvollziehbar, wieso einige unserer europäischen Nachbarn ihre Liebe auf diese Traditionen bauen.

Die Ring-Traditionen in den Religionen

Nicht nur die Herkunft eines Paares hat entscheidenden Einfluss darauf, an welche Hand der Braut bei der Trauung von ihrem Zukünftigen der Ring angesteckt wird, sondern auch ihr Glaube ist wichtig. Die alten Traditionen aus katholischer und evangelischer Kirche sowie die Bestimmungen des Islam prägen auch heute noch das Verhalten vieler Brautpaare:

Trauringe in der katholischen Kirche

Dem katholischen Glauben nach gilt die linke Hand als unrein. Nicht selten wird sie gar mit dem Teufel oder zumindest der Sünde in Verbindung gebracht. Die rechte Seite ist dagegen im Katholizismus eine "gute, glücksbringende" (Exodus 15.6). So lässt sich auch erklären, dass z.B. die Braut rechts des Brautvaters in der Kirche einläuft oder dass es im Glaubensbekenntnis der katholischen Kirche heißt: " …er sitzet zur Rechten Gottes des allmächtigen Vaters." Gläubige Katholiken tragen also ihre Eheringe rechts. Wie oben bereits erwähnt, ist das katholische Brauchtum (Priester trugen ihre Zeremonialringe bereits im 13. Jahrhundert rechts) ein entscheidender Grund dafür, warum wir heute in Deutschland den rechten Ringfinger für den Ehering vorgesehen haben.

Eheringe in der evangelischen Kirche

Manche sagen, dass unsere heutige Tradition nicht auf die katholische Kirche zurückgeht, sondern durch die Protestanten ausgelöst wurde: Demnach sollen Martin Luther und seine Anhänger die ersten gewesen sein, die ihre Eheringe aus Protest gegen den Katholizismus rechts trugen. Sie beriefen sich nach dieser Theorie ebenso auf Bibelstellen, in denen diese als die gute Seite beschrieben wird. Ob also Katholiken oder Protestanten den Wechsel bewirkten ist unklar – heute tragen beide Konfessionen ihre Eheringe am rechten Ringfinger.

Trauringe im islamischen Glauben

In der islamischen Welt sind Eheringe zwar mittlerweile üblich, sie werden aber unter streng gläubigen Muslimen nicht als religiöse Symbole verstanden. Trauringe spielen zwar für die kulturelle Identität eine Rolle, sie sind aber in der islamischen Praxis nicht vorgesehen. Hinzu kommt, dass es islamischen Männern laut den Überlieferungen untersagt ist, Schmuck aus Weißgold oder Gold zu tragen: "Diese beiden sind für die Männer unter meinen Anhängern haram", soll der Prophet über Seide und Gold gesagt haben. Dagegen dürfen Muslime Eheringe aus Platin, Palladium, Silber oder anderen Edelmetallen wählen – für Frauen gelten keine Begrenzungen.

Muslime tragen ihre Eheringe gewöhnlich auch am rechten Ringfinger, manchmal auch am rechten Mittelfinger. Es ist aber ebenso üblich, dass Frauen ihr Schmuckstück rechts, Männer dagegen ihres an der linken Hand tragen. Oft wird dieser Brauch als Nachahmung westlicher Lebensart verstanden und ist somit keine islamische Tradition.
Paar hält Eheringe

Tragt Eure Ringe, wie es Euch gefällt!

Heute können Paare sich frei entscheiden, wie sie ihre Eheringe tragen wollen. Die meisten folgen dabei der Tradition, die ihre Eltern oder ihr Glaube ihnen vorgegeben hat. Das Schöne ist jedoch, dass es keine festen Regeln gibt: Selbst wenn wir in Deutschland traditionell den rechten Ringfinger als Zeichen für "verheiratet" oder "unverheiratet" wahrnehmen, so ist die Frage nach der richtigen Seite längst eine individuelle und keine gesellschaftliche mehr. Viel wichtiger ist für Euch als Hochzeitspaar, welche Bedeutung Ihr diesem gemeinsamen Symbol Eurer Liebe beimesst. Die Auswahl des perfekten Rings hängt schließlich nicht davon ab, an welcher Hand er letztlich getragen wird. Ihr solltet Euch nur vor dem Kauf überlegen, für welchen Finger Ihr Euch entscheidet – denn schließlich muss ein Ehering passen … und das ein ganzes Leben lang.