Das metrische Karat ist eine Gewichtseinheit zur Bestimmung von Edelsteinen (1 Kt = 0,2 g), wohingegen die Karat-Angabe bei Goldlegierungen den Feingehalt von Schmuckstücken definiert. Die Maßeinheit des metrischen Karats trägt in Deutschland die Abkürzung Kt (in Österreich und der Schweiz ist ct üblich). Sie erlaubt dem Betrachter eine genauere Vorstellung vom Wert eines Diamanten, welche selbst Experten mit dem bloßen Auge nicht verifizieren könnten.

So wirken zwei Steine äußerlich manchmal fast identisch, unterscheiden sich aber durch ihre Karat-Zahl. Den wahren Wert z.B. eines Diamanten misst der Fachmann anhand der 4cs (Englisch: carat, color, clarity und cut). Der Karat-Gehalt ist von diesen vieren der einzige unsichtbare, da er durch das Gewicht des Edelsteins bestimmt wird. Erst durch ihn erschließt sich manchmal der versteckte Wert eines Schmuckstücks.

Johannisbrotbaum

Woher kommt die Maßeinheit Karat für Edelsteine?

Die Gewichtseinheit Karat wurde erst 1875 auf das standardisierte Maß von 0,2 g festgelegt. Schon viele Jahrhunderte vorher kannten Menschen aber eine Methode zur Bestimmung des Gewichts von Edelsteinen, die wahrscheinlich den Grundstein für diese Messmethode legte: Sie nutzten die Samen des Johannisbrotbaums als Gegengewicht. Die hörnchenförmigen Früchte des Johannisbrotbaums (Ceratornia siliqua) gaben so der römischen Gewichtseinheit Siliquia ihren Namen. Eine Siliquia entsprach in etwa 189 bis 192 Milligramm - also annähernd dem Gewicht unserer heutigen Maßeinheit von einem Karat. Auch die Griechen wogen bereits ihre wertvollen Steine in einer Gewichtseinheit auf, die den auffällig ähnlich klingenden Namen Kerat (kerátion = Hörnchen) trug.

Karat Kerne

Die Überlieferung besagt, dass der Grund für die Nutzung der Johannisbrotbaum-Kerne darin liegt, dass diese immer annähernd dasselbe Gewicht haben. Wissenschaftler wiesen jedoch nach, dass die Gewichtsschwankungen des Siquilias denen jeder anderen Samenart in nichts nachstehen. Eine überraschende Entdeckung machten die Forscher jedoch: Zwar schwankt das Gewicht, Probanden konnten diese Schwankungen aber in über 70% der Fälle am Aussehen der Samen erkennen. Dies deutet darauf hin, dass unsere Vorfahren im alten Rom und in Griechenland die Kerne des Johannisbrotbaumes auswählten, da so eine geringe Fehlerquote bei Gewichtabweichungen garantiert werden konnte. Das menschliche Auge sorgte dafür, dass nur in etwa gleichschwere Samen zur Messung ausgewählt wurden. Im Mittelalter bestimmten Menschen anhand von anderen Getreidekörnern, was als "ein Karat" galt. Mit dem metrischen Karat, welches wir heute kennen, wurde 1875 das Augenmaß obsolet und die feste Maßeinheit von 0,2 g wurde standardisiert.

Diamant-wiegen

Wie wird ein Edelstein heute gemessen?

Um einen Diamant oder andere Edelsteine heute zu messen, nutzt man eine spezielle Karat-Waage. Diese wird vor der Messung auf ihre Genauigkeit getestet, so dass keine größeren Abweichungen vorkommen können (normal ist eine Genauigkeit von ca. 0,01 bis 0,001 Karat). Neben der Vermeidung von Erschütterungen muss beim Wiegen auch darauf geachtet werden, dass Wärmequellen oder Luftzüge das Messergebnis nicht verfälschen. Schließlich wird die erzielte Karatzahl nicht gerundet, außer es handelt sich um die dritte 9 hinter dem Komma (z.B. 0,9990 wird als 1 Karat angegeben, 2,9989 aber als 2,99 Karat).

Statt in Karat erfolgt die Angabe auch häufig in Punkten: 100 Punkte entsprechen dabei einem Karat. Ein Halbkaräter hat also eine Punktzahl von 50. Dann spricht man auch von einem 50 Punkter oder bei einem Viertelkaräter z.B. von einem 25 Punkter. Diese Punkte-Angabe wird vor allem genutzt, wenn es sich um einen Edelstein-Masse unter 0,2 g handelt. Je höher aber die Karatzahl, umso wahrscheinlicher bezeichnet man den Stein mit der Maßeinheit Karat.

Diamant Wert

Karatzahl: Der Zusammenhang zwischen Wert und Gewicht

Ein weit verbreiteter Irrglaube herrscht darüber, dass der Preis eines Diamanten direkt mit dessen Größe in Zusammenhang stünde. Wie anfangs bereits erwähnt, hängt der Wert eines Steins von den 4cs ab: carat, color, clarity und cut. Die Reinheit (clarity) beschreibt die Sichtbarkeit vorkommender Einschüsse im Edelstein. Dessen Farbe kann von weiß bis gelblich eingestuft werden und erhöht den Wert eines Diamanten je heller sie ist. Eine Ausnahme sind Steine, welche in allen Regenbogenfarben schimmern. Diese sogenannten "fancy colored diamonds" erhalten ihre Farbgebung aber auch durch den besonderen Schliff (cut). Die Eigenschaft des Schliffgrads bestimmt die Brillanz eines Steins. Je höher also hier die Qualität, umso strahlender funkelt z.B. ein Hochzeitsring.

Zwar herrscht nicht direkt eine Beziehung zwischen Größe und Wert eines Steins, aber durchaus zwischen dessen Gewicht und seinem Wert. Die Preissteigerung erfolgt allerdings nicht gleichmäßig mit steigender Karat-Zahl, sondern es ergeben sich exponentielle Sprünge. Beispielsweise zwischen einem 0,95 Karäter und einem Einkaräter. Diese Preisentwicklung begründet sich durch die Seltenheit großer Diamanten. Je größer die Karatzahl, umso sprunghafter steigt der Preis, zwischen einem Stein mit drei und vier Karat liegt ein weitaus höherer Preisunterschied als zwischen zwei Steinen mit ein und zwei Karat. Dennoch ist Vorsicht geboten: Weder die Größe noch das Gewicht (in Kt) bestimmen alleine, wie wertvoll der Edelstein wirklich ist.

Online Konfigurator

Das Karat und seine unterschiedliche Wirkung an einem Ring

Die Wirkung eines wertvollen Diamanten ergibt sich aus mehreren Faktoren: dem Karat-Gewicht und seiner augenscheinlichen Größe. Das menschliche Auge tendiert jedoch dazu, diesen zweiten Faktor zu verzerren. Deshalb bestimmt man die tatsächlichen Ausmaße eines Diamanten mit technischen Hilfsmitteln anhand folgender Faktoren:

1. Tiefe

Edelsteine können unterschiedlich tief sein. Je tiefer ein Stein ist, umso kleiner wirkt er oft. Dagegen sehen flachere Steine größer aus. Hier kommt es auf den Sichtwinkel an: Von oben gesehen wirkt ein tieferer Stein deshalb weniger groß, weil sein Gewicht im unteren Teil des Diamanten sitzt.

2. Schliffgrad

Wie bereits oben beschrieben, bestimmt der Schliff die Brillanz. Diese kann auch über die wirkliche Größe des Steines hinwegtäuschen, da mehr Licht auf das Auge zurückfällt. So kann auch ein Stein mit hoher Karatzahl kleiner wirken, wenn er einen weniger aufwendigen Schliff hat als sein Gegenüber.

3. Tafel

Als Tafel bezeichnet man den sichtbaren Bereich des Edelsteins bei Draufsicht. Wenn die Tafel größer ist, wirkt auch der Diamant größer, unabhängig davon, ob er es in der Tiefe auch ist.

Ist zudem das Karat-Gewicht eines Edelsteines bekannt, ergibt sich eine Beziehung zwischen seiner Größe in Millimetern und den Karat in Gramm:

Wie bestimme ich das für mich passende Karat-Gewicht?

Der einfachste Weg, das richtige Karat-Gewicht für Euer perfektes Schmuckstück zu ermitteln, führt über unseren Trauring-Konfigurator. Hier könnt Ihr den ausgewählten Ring direkt an der Hand betrachten und einfach die Größe des Diamanten ändern. Zur leichteren Verständlichkeit seht Ihr hinter der Karat Einheit den Durchmesser jedes Steins noch einmal in Millimetern angegeben. Klickt Euch einfach durch die unterschiedlichen Größen und testet deren Wirkung an unserem Handmodell.

Wie groß ein Diamant am Finger wirkt, hängt auch entscheidend von der jeweiligen Steinfassung ab. Bei AURONIA könnt Ihr diese ebenso spielend im Konfigurator ändern. Ihr seid Euch schon sicher, dass Ihr mehrere Steine in 0,02 ct haben möchtet, wisst aber nicht, wie diese angeordnet sein sollten? Vielleicht eingerieben oder lieber im Verschnitt? Dank unseres modernen Visualisierungstools ist Ausprobieren kein Problem. Schließlich wirkt derselbe Ring ganz anders, wenn Ihr die Fassung für Euren Edelsteinbesatz verändert.

Gold-Karat

Wie misst man den Feingehalt von Goldlegierungen in Karat?

Um den Gewichtsanteil reinen Goldes an der Gesamtmasse einer Legierung anzugeben, verwendet man ebenfalls den Begriff "Karat". Goldlegierungen werden hauptsächlich mit Kupfer und Silber hergestellt. Der Feingehalt in Karat wird in x/24-Teilen angegeben. Einkarätiges Gold entspricht also einem 1/24 Gewichtsanteil Gold (= 4,167%). Eine hundertprozentige Reinheit (24/24) ist quasi ausgeschlossen, da mögliche Verunreinigungen nie ganz zu eliminieren sind. Deshalb spricht man bei 24-karätigem Gold von einer Reinheit von 99,99%.

Statt der Bezeichnung "Karat" kann man die Reinheit von Goldlegierungen auch in 1/1000 Teilen angeben. Folglich entspräche Gold mit 24 Karat einem Anteil von 999,9 Teilen.

Gebräuchliche Feingehalte bei Gold:

Legierung Karat Goldanteil
333 8 333/1000 = 33,3%
375 9 375/1000 = 37,5%
585 14 585/1000 = 58,5%
750 18 750/1000 = 75,0%
875, arabische Länder 21 875/1000= 87,5%
900, Münzgold 21,6 900/1000 = 90,0%
916, Crown Gold 22 961/1000 = 91,6%
965, Thaigold 23,2 965/1000 = 96,5%
999,9, Feingold 24 999,9/1000 = 99,99%

Die Geschichte des Karat-Begriffs für Goldlegierungen

Auch die Geschichte des Karat-Begriffs für Goldlegierungen geht auf die griechischen und römischen Vorbilder der Johannisbrotbaum-Samen zurück (siehe oben). In Deutschland gab es früher das Karat als kleines Gegengewicht, mit dem man die Feinheitsbestimmung des Goldes vornahm. Dieses Gewicht entsprach dem 24.Teil einer Mark, 1 Karat wiederum teilte sich in 12 Grän als Untereinheiten auf. Auch heute noch wiegt man Schmuckstücke aus Gold, um ihren Karat-Wert zu ermitteln und damit eine Aussage über deren Feingehalt zu treffen. Wichtig ist dabei zu wissen, dass der Mindest-Reinheitsgrad für Goldlegierungen in bestimmten Ländern unterschiedlich ist.

Mindest-Reinheitsgrad für Goldlegierungen in verschiedenen Ländern

Nicht überall ist Gold gleich Gold. Unterschiedliche Länder definieren den Mindest-Reinheitsgrad, den ein Schmuckstück haben muss, um als Gold verkauft zu werden, verschieden. In Deutschland gilt für Goldlegierungen eine Mindestgrenze der Reinheit von 8 Karat. Das entspricht einer 333er Feinheit. Folgende gebräuchliche und gesetzliche Mindestwerte herrschen in anderen Ländern:

Land Feinheit Karat
Deutschland Gold 333 mindestens 8 kt
Spanien Gold 375 Mindestens 9kt
Großbritannien Gold 375 mindestens 9 kt
USA Gold 417 mindestens 10 kt
Niederlande Gold 585 mindestens 14kt
Frankreich Gold 750 mindestens 18 kt
Italien Gold 750 mindestens 18 kt
Schweiz Gold 750 mindestens 18 kt

Diese Werte sind nicht nur auf staatliche Festlegungen zurückzuführen, sondern auch auf kulturelle Vorlieben. So schätzt man auf dem amerikanischen Kontinent besonders Legierungen mit einem 585% Goldanteil, im Nahen Osten erfreuen sich Schmuckstücke ab Feingehalten von 20 bis 22kt großer Beliebtheit. Im Südasiatischen Kulturkreis legt man auf sehr hochprozentige Goldanteile wert und so begegnet man z.B. häufig thailändischem oder chinesischem Schmuck aus Feingold. In Deutschland gibt es für jeden Geschmack die passende Legierung. Schaut euch doch einmal in unserem großen Goldring-Sortiment an Trauringen und Verlobungsringen um.

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Metrisches_Karat

https://de.wikipedia.org/wiki/Karat_(Feingehalt)

https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/warum-aus-johannisbrotkernen-das-karat-wurde/

https://royalsocietypublishing.org/doi/abs/10.1098/rsbl.2006.0476

https://de.wikipedia.org/wiki/Feingehalt

https://www.gesetze-im-internet.de/feingehg/index.html

http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:01980L0181-20090527